Sarah Jezebel Deva ist eine bemerkenswerte Chanteuse, mit einer mindestens ebenso markanten Stimme. Sie fungierte bereits als Backgroundsängerin für Cradle of Filth, Therion, Mortiis u. a. namhaften Acts. Daher war ein Solo-Album geradezu "überfällig". Dieses liegt jetzt unter dem Titel "God has a Plan for us all" vor. Nun, soviel vorab, die Plattenfirma (und wohl auch das Goldkehlchen) bezeichnen die Musik als "Epic Orchestral Metal". Schublade hin oder her, Anhänger(innen) symphonischer/gotenmetallischer Klänge vom Typ Nightwish & Co werden für dieses Album sterben. Doch ich greife vor....
Neben Sarah Jezebel Deva (vocals, lyrics) besteht ANGTORIA aus Chris Rehn (instruments, music) und Tommy Rehn (instruments, music). Projekte der Rehn-Brüder sind Abyssos und Moahni Moahna. Erstes musikalisches Lebenszeichen war ein Demo, das 2004 erschien und dessen Titel auf dem aktuellen Werk wieder zu finden sind. Neben den zwei genannten Herren wirkten zahlreiche Gastmusiker mit. Bei ihnen handelt es sich um:
Andreas Brojber - drums (Platitude, Space Odyssey)
Aaron Stainthorpe - vocals (My Dying Bride)
Dave Pybus - bass (Cradle of Filth)
Martin Häggstrom - vocals (Moahni Moahna, Zool)
Rikard Anderson - keyboard solo (Space Odyssey, Time Requiem, Majestic)
Tony Könberg - choir vocals.
Abgemischt wurde das Ganze von Daniel Bergstrand, der z. B. für In Flames, Soilwork, Strapping Young Lad usw. gearbeitet hat.
"God has a Plan for us all" basiert auf zwei Grundpfeilern: Der unverwechselbaren Stimmbandarbeit von Sarah Jezebel Deva (vier Oktaven) - und bombastischen, orchestralen Arrangements synthetischen Ursprungs. Der Gesang steht (zu Recht) im Vordergrund, er ist über jeden Zweifel erhaben. Die "metallischen Komponenten" sind m. E. nicht so deutlich vernehmbar. Saiteninstrumente und Schlagzeug wirken etwas gedrosselt oder kommen wie auf 'The Addiction' (Nr. 6) gar nicht zum Einsatz. Besagtes Stück hätte auch auf den Titanic - Soundtrack gepasst, kein Witz. Wer auf brachial/brutalen Metal steht, sollte von dieser Publikation also besser die Finger lassen. Doch ist das Oeuvre kein kompletter "Vollweichspüler" geworden, es hat durchaus noch seine rockigen Momente. Das Titelstück besticht beispielsweise durch eine treibende Schießbude, 'Deity of Disgust' (Nr. 6) weist Gitarrenpassagen auf, welche an Therion gemahnen und im traditionellen Heavy Metal wurzeln. Die Bands aus dem bisherigen Schaffenskreis der Vokalistin haben auf dem Album ohnehin ihre Spuren hinterlassen. Das Intro des neunten Tracks 'Original Sin' hätte auch direkt von Cradle of Filth stammen können! Er ist sicherlich der Höhepunkt des Werkes, mit einem formidablen Spannungsaufbau. Nach dem Motto "Die Schöne und das Biest", singen Sarah Jezebel Deva und Aaron Stainthorpe im Duett. Die Texte passen zur bittersüßen, dezent dunkel/melancholischen Musik.
Fazit:
Chefredakteur Raphael stellte bereits beim sonntäglichen Probehören fest: "Wenn Nightwish clever wären, würden sie sich Sarah Jezebel als Ersatz für die geschasste Tarja Turunen holen. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Für die Gesangsleistung würde ich sofort, ohne Wenn und Aber, 15 Punkte vergeben. Doch hat die Band beim symphonischen Pomp des Guten zuviel getan und etliche Strukturen klingen "wie schon mal gehört". Nichtsdestotrotz ist "God has a Plan for us all" für Fans von aktuellem Gothic- bzw. Orchestral-Metal ein Pflichtkauf".
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